Dienstag, 9. Juli 2013
Paul Tillichs Briefwechsel
paulemeister, 00:06h
Paul Tillich – Netzwerk: Zeitzeugnisse
Paul Tillich: aus seinen Briefwechseln und Streitschriften
Schriftkontakt zu Friedrich Büchsel:
Friedrich Büchsel: Geb. 2.7. 1883 in Stücken; Brandenburg (Vater Pfarrer); Gymnasium Paulinum; Studium der Ev. Theologie Tübingen, Halle (Begegnung mit Tillich); Systematischer Exeget; Inspektor am Predigerseminar Soest (1907); 1911 Habilitation zum johanneischen Wahrheitsbegriff; 1908 Ruf für Neues Testament nach Rostock, Professur in Rostock bis zum Tod
Brief von Paul Tillich an Friedrich Büchsel:
Berlin, den „vierten Feiertag“ (1907)
„Lieber Friedrich!
Nun ist ein ganzes Vierteljahr vergangen seit jenen Tagen, wo die Probleme gleich den Meereswogen sich zwischen uns dahinwälzten und Du dann die Kritik unserer Resultate auf 12 Seiten entwickeltest. Wenn ich gehofft hatte, dass ein Verdauungsprozess, der längere Zeit in Anspruch nehmen würde, meine Kritik am selben Objekt und an Deiner Kritik ans Licht bringen könnte, so habe ich mich bis zu einem gewissen Grade getäuscht. ………………….. (Paul Tillich Briefwechsel & Streitschriften, Stuttgart, 1983, 20 ff.)
Schriftkontakt zu Eugen Rosenstock-Huessy:
Eugen Rosenstock-Huessy: Geb 6.7.1888 in Berlin als Sohn jüdischen Bankiers; Habilitation 1912 nach Jurastudium in verfassungsgeschichtlicher Untersuchung; 1914 Heirat schweizerin Huessy; in Kriegsjahren Frontoffizier; Befürworter des christlich-jüdischen Dialogs; aus Dialog mit Rosenzweig erwuchs Rosenzweigs Dialog „Stern der Erlösung“; seit 1923 Ordinarius für deutsche Rechtsgeschichte, bürgerliches Handels- und Arbeitsrecht; 1933 Enteignung und Vertreibung aus Deutschland – Exil in den USA, 1935 Professur für Philosophie am Darthmouth College; Kreisauer Widerstandskreis von mitgeprägt durch Rosenstock (1940)
Brief von Paul Tillich an Eugen Rosenstock Hussey -1935:
„Lieber Herr Rosenstock,
drei gewichtige Briefe von Ihnen liegen vor mir: kurze Zeit auch die Korrekturbogen ihres Briefwechsels mit Rosenzweig, es ist aber vielleicht besser, dass ich auf sie Bezug nehme, da sie einer anderen Periode angehören, und nach dem kurzen Blick, den ich auf sie werfen konnte, für mich sehr schwer zugänglich sind. So beschränkte ich mich auf die Briefe, die ja auch so gefüllt mit Gedanken sind, dass die Antwort eine wissenschaftliche Arbeit ist, die ich auf die Ruhe meiner Chicagoer Wochen verschieben musste. ……. (a.a.O., 275ff)
Schriftkontakt zu Kurt Leese
Kurt Leese: geb. 6.7. 1887 in Gollnow; Sohn eines Juristen; protestantisches Gymnasium in Strassburg; Studium der Theologie Rostock, Straßburg, Berlin; 1912 Promotion Theologie in Kiel; Diskussionsrunde „Vernunftabende“ mit Richard Wegener, Paul Tillich, Eduard Le Seur in Berlin; Militärgeistlicher; nach Weltkrieg 1921-1932 3. Pfarrstelle in HH; Leese – Grenze zwischen protestanischer Theologie und bürgerlicher Philosophie; theologische Krisenzeit während des 2. Weltkrieges; 1940 Entzug der Lehrbefugnis nach nicht zufrieden stellender Lehre zur „Geschichte der deutschen Frömmigkeir“; Rückkehr Leeses an die Uni 1945; Emiritierung Uni Hamburg 1955, gestorben 1965
Brief von Paul Tillich an Kurt Leese, New –York 1934:
„Lieber Kurt!
Statt einer Antwort auf meinen Weihnachtsbrief kam dein Buch. Herzlichen Dank! Ich las es heut in einer Art Kampener Heide auf einer Insel im Atlantischen Ozean, wo wir den Sommer über in einem wundervoll gelegenen Bungalow hausen. Ich freue mich, dass es nicht hält, was der Titel zu versprechen scheint, eine der ad hoc Schriften zu sein, die mit wenig Geist und viel nationaler Phraseologie die Konjunktur ausnutzen. Ich freie mich, dass Du dem theologischen Rassenschwindel klar und scharf auf den Leib rückst, besonders gut und komprmisslos im Schlusskapitel. Aber auch die 4 Beispiele bedeuten ja in Wahrheit eine vollkommene Destruktion des arischen Mythos.“ ……
(A.a.O. 302-303)
Paul Tillich: aus seinen Briefwechseln und Streitschriften
Schriftkontakt zu Friedrich Büchsel:
Friedrich Büchsel: Geb. 2.7. 1883 in Stücken; Brandenburg (Vater Pfarrer); Gymnasium Paulinum; Studium der Ev. Theologie Tübingen, Halle (Begegnung mit Tillich); Systematischer Exeget; Inspektor am Predigerseminar Soest (1907); 1911 Habilitation zum johanneischen Wahrheitsbegriff; 1908 Ruf für Neues Testament nach Rostock, Professur in Rostock bis zum Tod
Brief von Paul Tillich an Friedrich Büchsel:
Berlin, den „vierten Feiertag“ (1907)
„Lieber Friedrich!
Nun ist ein ganzes Vierteljahr vergangen seit jenen Tagen, wo die Probleme gleich den Meereswogen sich zwischen uns dahinwälzten und Du dann die Kritik unserer Resultate auf 12 Seiten entwickeltest. Wenn ich gehofft hatte, dass ein Verdauungsprozess, der längere Zeit in Anspruch nehmen würde, meine Kritik am selben Objekt und an Deiner Kritik ans Licht bringen könnte, so habe ich mich bis zu einem gewissen Grade getäuscht. ………………….. (Paul Tillich Briefwechsel & Streitschriften, Stuttgart, 1983, 20 ff.)
Schriftkontakt zu Eugen Rosenstock-Huessy:
Eugen Rosenstock-Huessy: Geb 6.7.1888 in Berlin als Sohn jüdischen Bankiers; Habilitation 1912 nach Jurastudium in verfassungsgeschichtlicher Untersuchung; 1914 Heirat schweizerin Huessy; in Kriegsjahren Frontoffizier; Befürworter des christlich-jüdischen Dialogs; aus Dialog mit Rosenzweig erwuchs Rosenzweigs Dialog „Stern der Erlösung“; seit 1923 Ordinarius für deutsche Rechtsgeschichte, bürgerliches Handels- und Arbeitsrecht; 1933 Enteignung und Vertreibung aus Deutschland – Exil in den USA, 1935 Professur für Philosophie am Darthmouth College; Kreisauer Widerstandskreis von mitgeprägt durch Rosenstock (1940)
Brief von Paul Tillich an Eugen Rosenstock Hussey -1935:
„Lieber Herr Rosenstock,
drei gewichtige Briefe von Ihnen liegen vor mir: kurze Zeit auch die Korrekturbogen ihres Briefwechsels mit Rosenzweig, es ist aber vielleicht besser, dass ich auf sie Bezug nehme, da sie einer anderen Periode angehören, und nach dem kurzen Blick, den ich auf sie werfen konnte, für mich sehr schwer zugänglich sind. So beschränkte ich mich auf die Briefe, die ja auch so gefüllt mit Gedanken sind, dass die Antwort eine wissenschaftliche Arbeit ist, die ich auf die Ruhe meiner Chicagoer Wochen verschieben musste. ……. (a.a.O., 275ff)
Schriftkontakt zu Kurt Leese
Kurt Leese: geb. 6.7. 1887 in Gollnow; Sohn eines Juristen; protestantisches Gymnasium in Strassburg; Studium der Theologie Rostock, Straßburg, Berlin; 1912 Promotion Theologie in Kiel; Diskussionsrunde „Vernunftabende“ mit Richard Wegener, Paul Tillich, Eduard Le Seur in Berlin; Militärgeistlicher; nach Weltkrieg 1921-1932 3. Pfarrstelle in HH; Leese – Grenze zwischen protestanischer Theologie und bürgerlicher Philosophie; theologische Krisenzeit während des 2. Weltkrieges; 1940 Entzug der Lehrbefugnis nach nicht zufrieden stellender Lehre zur „Geschichte der deutschen Frömmigkeir“; Rückkehr Leeses an die Uni 1945; Emiritierung Uni Hamburg 1955, gestorben 1965
Brief von Paul Tillich an Kurt Leese, New –York 1934:
„Lieber Kurt!
Statt einer Antwort auf meinen Weihnachtsbrief kam dein Buch. Herzlichen Dank! Ich las es heut in einer Art Kampener Heide auf einer Insel im Atlantischen Ozean, wo wir den Sommer über in einem wundervoll gelegenen Bungalow hausen. Ich freue mich, dass es nicht hält, was der Titel zu versprechen scheint, eine der ad hoc Schriften zu sein, die mit wenig Geist und viel nationaler Phraseologie die Konjunktur ausnutzen. Ich freie mich, dass Du dem theologischen Rassenschwindel klar und scharf auf den Leib rückst, besonders gut und komprmisslos im Schlusskapitel. Aber auch die 4 Beispiele bedeuten ja in Wahrheit eine vollkommene Destruktion des arischen Mythos.“ ……
(A.a.O. 302-303)